Allgemein 20. März 2017 Ilja No comments

Kur Woche 2: Alkohol und Belastungstest

In der zweiten Woche der Kur war es endlich soweit, es ging nun los mit Schulungen und ein paar Dinge ausprobieren, um etwas mehr Sicherheit in Sachen Diabetes zu bekommen. Das lief jedoch insgesamt mehr oder minder erfolgreich, doch einige Veranstaltungen sorgten, für mich zumindest, für ein paar Schmunzler.

Weggeschult mit der Tablettenindustrie

Von Montag bis Donnerstag gab es jeden Tag ein paar Stunden Schulungen rund um die Diabetes. Was ist der Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2? Und was ist Typ 3? In meinen Sitzungen waren einige dabei, die nach einer Operation keine funktionierende Bauchspeicheldrüse hatten. So richtig zugeordnet konnten die Leute auch nicht, irgendwo bei Typ 1. Aber das scheint kein neues Problem zu sein. Weiter mit den Wirkungsarten von Insulinen und was überhaupt eine Broteinheit ist. Also die Grundlagen der Grundlagen. Witzig wurde es beim Thema Alkohol. Wieviel darf ich/soll ich trinken? Da waren natürlich die Gedanken nicht weit, sich einfach mit Schnaps den Blutzucker senken. Die Leber freut sich. Oder lieber mal Mon Cherie zu essen, ist ja auch Alkohol drin. Da merkt man erst, welchen gesellschaftlichen Stellenwert Alkohol so hat. Und plötzlich war die Pharmaindustrie (Aluhut auf) Thema in der Schulung. Es gibt doch schon längst eine Heilung von Diabetes, aber damit kann man ja kein Geld verdienen! Das klingt doch so schön einfach. Und wenn überhaupt? An allem ist doch die Merkel schuld! (Aluhut ab)

Nichts Neues also hier für mich. Die größte Hoffnung legte ich in die Lehrküche. Gemeinsam Kochen und dazu natürlich schauen, wo und welche Kohlenhydrate versteckt sind. Pustekuchen. In der Klinik geht gerade eine Erkältungswelle rum, so dass die Kochgruppe von acht auf drei Personen geschrumpft ist. Wie die Leiterin sagte: „So kleine Töpfe habe ich gar nicht.“

Belastungstest

Am Mittwoch habe ich einen Belastungstest auf dem Fahrrad absolviert. Mit steigender Belastung habe ich für eine Stunde aller 15 Minuten meinen Blutzucker gemessen, um mal zu schauen wie sich das verhält. Wahrscheinlich die sinnvollste Übung der Woche, die tatsächlich medizinisch begleitet wurde. Da ja bald die Fahrradsaison beginnt, war das ein guter Test um abschätzen zu können, wie das in der Realität sein könnte. Apropo Realität. Einige Diabetiker werden hier eingestellt, entweder auf neues Insulin (Levemir scheint hier der große Hit zu sein) oder auf eine Pumpe. Aus meiner Sicht ist das aber nur zum Teil praktisch. Hier hat man einen ganz anderen festen Ablauf, als dann ein paar Wochen später im Alltag. Der Tag besteht hier aus Mahlzeiten, ein paar kleinen Übungen und Entspannung. Im Alltag ist das so sicherlich nicht haltbar. Zur Kur kann man sicherlich Grundlagen schaffen, aber die größte Arbeit wartet auf jeden Fall zu Hause.

Und sonst so zur Kur?

Nach gefühlten hundert Jahren war ich endlich mal wieder in einem Freizeitbad mit dem besseren Drittel. Die Therme in Bad Schandau hat als Highlight ein Liquid Sound System mit einem Salzbecken. Sich treiben lassen: körperlich und geistig. Das war ein sehr angenehmer Ausflug in die Normalität. Aber Holla die Waldfee, dieses Wasser zieht Zucker, wie ein trockener Schwamm auf. Mit 7 mmol/l sind wir rein, nach einer guten Stunde und nicht wirklich intensivem Schwimmen war ich bei 4,4 mmol/l, also schnell ein paar BE eingeschmissen. Als Belohnung gab es eine ordentliche Portion Penne all’arrabbiata im Anschluss.

Das Wichtigste was ich bis jetzt von der Kur mitnehme, ist der Kontakt zu anderen Diabetikern. Es ist unheimlich beruhigend mit Anderen zu quatschen und zu sehen, dass alle irgendwie die gleichen Phasen durchlebt haben. Ich bin nicht allein, niemand ist allein mit dieser Krankheit. Die einen erwischt es eher, die anderen etwas später. Es zeigt sich aber eine kleine Tendenz hier zur Kur, dass Menschen die Typ 1 später kriegen, deutlich mehr Kraft brauchen, sich auf die neue Lebenssituation um zu stellen. Sich über BEs, Pumpen, sowie Probleme zu unterhalten und nicht erst erklären zu müssen, über was man da gerade überhaupt spricht, das ist Balsam für die Seele.

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