Allgemein 24. März 2017 Ilja No comments

Meine ersten Flitterwochen

Meine ersten Flitterwochen habe ich mir doch irgendwie anders vorgestellt. Irgendwo im Warmen, Strand und viel guter Laune. Und ohne den neuen Begleiter Diabetes. Nein, ich habe nicht wirklich geheiratet, nur den neuen Lebenspartner Diabetes im Gepäck.

Zum Verständnis

Diabetes wird nicht geheilt, Diabetes wird behandelt. Dabei versucht man den natürlichen Insulinhaushalt des Körpers nachzuahmen. Wann braucht man Insulin? Zum einen Braucht der Körper einen Grundbedarf. Dann esse ich gerne Kohlenhydrate, die im Körper zu Zucker abgebaut werden. Also muss auch das mit Insulin abgefangen werden.

Ich brauche also für die Insulintherapie zwei Insuline – zumindest extern. Für den ersten Schritt brauche ich ein Basalinsulin. Das Basalinsulin hält den Zuckerhaushalt stabil und wirkt lange. Meins zum Beispiel 12 Stunden. Nun esse ich urplötzlich Kohlenhydrate und der Körper müsste dafür Insulin freisetzen. Dafür benötige ich ein Bolusinsulin. Dieses wirkt schnell und kurz. Schließlich muss der Zucker auch schnell im Körper verarbeitet werden. Meine Therapie begann also mit zwei Spritzen für langwirkendes Insulin (24 Stunden) und einer flexiblen Anzahl an Spritzen für kurzwirkendes Insulin. Was hat das aber mit Flitterwochen zu tun?

Remissionsphase

Im Englischen wird auch gerne von der Honeymoon-Phase gesprochen. Daher die Flitterwochen. Ganz nüchtern ist der Begriff der Remission. Es gibt Krankheiten bei denen die Symptome teilweise oder ganz abklingen. Nur die Heilung bleibt aus. Irgendwann hat diese Phase ein Ende und die Symptome bzw. Beschwerden sind wieder die alten. Die Diabetes gehört zu solchen Krankheiten und ich bin gerade in einer solchen Remissionsphase oder Honeymoon. Bei Diabetes äußert sich die Remissionsphase dadurch, dass man häufig weniger Insulin benötigt, als zum Start der Therapie.

Meine Flitterwochen

Ein paar Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt schlug mir meine Diabetologin vor, beim Spritzen etwas zu experimentieren. Sie sagt da gerne: „Sie sind ihr bester Arzt.“ Da ich recht gute Werte über den Tag habe, wurde zunächst das Basalinsulin am Tag abgesetzt. Es funktionierte. Nach ein paar Woche versuchte ich das Basalinsulin für die Nacht abzusetzen. Das funktioniert so mehr oder weniger. Dank dem FreeStyle Libre konnte ich meine Werte in der Nacht im Blick behalten und es stellte sich heraus, dass bei mir dein Morgenhüpfer auftritt. Über Nacht konnte ich eine schöne gleichmäßige Linie beobachten. Aber immer wenn der Wecker klingelt, gingen die Blutzuckerwerte rasch nach oben.

Als die Remissionsphase bzw. Flitterwochen eintrat(en), waren die ersten Gedanken, dass man vielleicht doch geheilt sei, nicht weit. Von den Gedanken bin ich zum Glück los und genieße diese Phase. Es ist schon nicht unpraktisch nur die kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten zu spritzen, schließlich ist die Krankheit schon kompliziert genug. Wenn die Flitterwochen vorbei sind, wird es sicherlich ernüchternd sein und wieder ein Schritt zurück.

In diesem Sinne freue ich mich auf die richtigen Flitterwochen. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.