Allgemein 16. April 2017 Ilja No comments

Kur Woche 3: Jetzt ist aber Schluss

Da sind sie schon vorbei, die drei Wochen in der Falkenstein Klinik. Seit ein paar Wochen bin ich wieder zu Hause und wieder mitten im Alltag. Am Abreisetag bin ich ein bisschen mit gemischten Gefühlen in den Zug gestiegen. Im folgenden will ich kurz zusammenfassen, warum es ganz sinnvoll ist als Diabetiker mal eine Kur zu machen und auf was ich ganz subjektiv gerne verzichtet hätte.

 

Was ich mitnehme

Andere kennenlernen

Das Wichtigste was ich aus der Kur mitnehme, ist der Kontakt und Austausch mit anderen Diabetikern. Dadurch habe ich gelernt, wo ich hinmöchte und was nicht unbedingt mein Ziel sein soll. So habe ich zum Beispiel Ramona und Jeanette kennen gelernt. Die eine seit 42 Jahren, die andere seit 30 Jahren mit Typ 1 unterwegs. Das sie Diabetes haben, merkt man erst nur, wenn nebenbei der Wert mit dem Freestyle Libre gemessen wird oder eine Portion Flüssigzucker beim Kartenspielen die Werte hochtreiben muss. Beide sind superlocker drauf und die Erkrankung ist für sie ein kleiner Schlüsselanhänger: Er ist zwar da, aber spielt eine kleine Rolle. Gleichzeitig schauen sie, dass sie auch ihre Vorteile draus ziehen, wie zum Beispiel mehr Urlaub durch die Anerkennung mit einem Grad der Behinderung. Da möchte ich auch noch hin. Im Moment hänge ich doch etwas zu oft an Werten, die ich nicht verstehe oder es bilden sich einige Gefühle und Gedanken an Rattenschwanz, die nicht sonderlich dienlich sind.

Es gab auch eine Art Gegenentwurf zu mir. An unserem Esstisch saß auch ein Frischling wie ich, der im Februar mit 24 Jahren mit Typ 1 diagnostiziert wurde. Der pflegte jedoch ein etwas anderen Umgang mit seinem Körper. Ein Päckchen Zigaretten am Tag ist normal, zwei bis sechs Bier zum Feierabend sind normal. Selbst zur Kur konnte er nicht auf den Alkohol verzichten. „Solange ich nichts merke, ist alles okay“ sagte er mal zum Mittag am Tisch. Selbst meine diabetische Tischnachbarin hat immer wieder nur mit dem Kopf geschüttelt.

Aktiv bleiben

Nicht nur emotional konnte ich mich in Sachen Diabetes weiterentwickeln, sonder auch physisch. Noch jetzt hallen die Worte der Diabetesschwester in meinem Kopf: „Wenn sie auf dem Fahrrad irgendwo ankommen wollen, dann sollten sie wenigstens eine BE zu sich nehmen.“ Extra etwas essen? Das wollte ich nicht. Seit August stand also das Fahrrad im Keller. Aber ganz darauf verzichten wollte ich auch nicht. Mehr Sicherheit haben mir Ergotraining und Belastungstest zur Kur gegeben. Wie reagiert konkret mein Körper auf welche Bewegung? Als kleiner Hypochonder hatte ich natürlich eine Vorstellung, dass schon die kleinste Bewegung heftige Unterzuckerungen auslöst. Dem ist zum Glück nicht so. So bin ich mittlerweile sicher in die Fahrradsaison gestartet und durchradle die Stadt.

Die Kurklinik liegt mitten in der Sächsischen Schweiz, so dass ich zahlreiche Ausflüge in den drei Wochen gemacht habe und das Diabetesmonster gut herausgefordert habe. Denn auch die Wanderung zieht an den Werten ganz schön nach unten. Da fühlt man sich zwischendurch fast schon wieder gesund, so viele kurze und lange BEs wie ich da in mich reingeschlungen habe. Auch Schwimmen und Saunagänge konnte ich probieren. Schwimmen ist ebenfalls ein ganz schöner BZ-Killer. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich im Wasser, wie ein Fisch an Land bewege.

Was nicht notwendig war

Pumpenlos durch die Kur

Jedoch ist nicht Alles Gold was glänzt. Auch bei der Kur waren ein paar Punkte dabei, die nicht unbedingt notwendig waren bzw. den Ausflug für mich sicherlich verbessert hätten. Das eigentlich Ziel der Kur war eigentlich die Pumpe und der Umgang mit dem Ding. Dem hat die Krankenkasse nicht so zugestimmt, daher waren meine Möglichkeit in der Hinsicht eingeschränkt. Wir haben ein bisschen versucht den Morgenhüpfer einzufangen und die Umrechnungsfaktoren anzupassen. So brauche ich am Morgen deutlich weniger Insulin dank Remissionsphase.

Lernen, Lernen, Lernen

Dementsprechend war für mich in inhaltlich in Sachen Diabetes wenig dabei. Die Standardschulung über die Krankheit, BEs und Zahlen habe ich schon bei der Diagnose gehört. Eins zu eins, die gleichen Folien. Auch die Schulung für die Hypowahrnehmungsstörung war nicht sonderlich ergiebig. Man sollte ein Tagebuch führen und mehr auf sich achten. Von CGMs war gar nicht die Rede, weil die Folien ungefähr ein Jahrzehnt auf dem Buckel hatten. Dafür brauche ich keine Schulung. Zudem waren beide Veranstaltungen Frontalunterricht. Gleich zu Anfang hat man jedoch gemerkt, dass die Teilnehmer gerne mehr über sich und ihr Diabetes erzählt hätten. Es hätte nicht geschadet, die Schulung in ein Workshop zu verwandeln. So wären die Teilnehmer in Kontakt gekommen und praktisch die notwendigen Informationen selbst erarbeiten können.

Allgemein ist mir aufgefallen, dass ich eher mit Abstand auf Menschen reagiere, die mir etwas über Diabetes erzählen wollen, vor allem, wenn Schulungspersonal einem „überlebenswichtige“ Tipps aus vorgefertigten Texten vorliest. Als Betroffener ist man notwendigerweise gezwungen sich mit der Sache auseinander zu setzen und alle neuen Informationen werden fast schon automatisch aufgesogen. Wenn mir also der OmniPod als der neue heiße Scheiß präsentiert wird, da wächst meine Vertrauensbasis nicht unbedingt.

Fazit

Trotz aller Skepsis und Sorgen zu Anfang habe ich zahlreiche neue Erfahrungen mit dem neusten Begleiter gemacht. Vor allem Mut und Sicherheit nehme ich aus dem Kuraufenthalt mit. Irgendwie geht es im Leben weiter. Durch die vielen Positivbeispiele gehe ich gestärkt durch den Alltag und kriege nicht gleich bei jedem erhöhtem Wert Schnappatmung. Als Vorteil sehe ich, dass ich die Reise nicht gleich nach der Diagnose angetreten habe. So konnte ich erstmal wieder in gewohnter Umgebung die Orientierung finden und hatte zur Kur Zeit und Ruhe mich explizit tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Durch die schöne Umgebung waren auch die freien Stunden gut genutzt und ich habe endlich das Elbsandsteingebirge gebührend entdeckt.

Alle Bilder hat mein Type F geschossen.

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