Allgemein 7. Mai 2017 Ilja 2 comments

Die erste Woche mit Fiasp von NovoNordisk

Seit April diesen Jahres ist das ultraschnelle Insulin Fiasp von NovoNordisk in Deutschland erhältlich. Meine Diabetologin hat es mir gleich beim letzten Besuch verschrieben und ich konnte es nun etwas mehr als ein Woche ausprobieren. Ist es wirklich so ultraschnell wie es der Hersteller verspricht?

Was ist Fiasp?

Gleich bei meiner Einstellung im Krankenhaus sagte die Schwester, ich kann spritzen und gleich essen, das Insulin (Novorapid) würde so schnell wirken, da müsste ich auf nichts achten. Spätestens mit dem Freestyle Libre sieht man aber, das funktioniert doch anders als erzählt. Man muss doch den ein oder anderen Spritz-Ess-Abstand (SEA) beachten um keine unschönen Spitzen (postprandiale Werte) in den Verlauf zu bekommen. Fiasp soll nun alles einfacher machen.

Fiasp ist ein ultraschnelles kurzwirksames Insulin. Im Vergleich zu Novorapid soll es doppelt so schnell wirken, d.h. es ist schon nach 10-12 Minuten in der Blutbahn. Eine höhere Insulinkonzentration und Insulinwirkung fangen mögliche hohe Blutzuckerwerte ab. Möglich ist dies durch die Zugabe von zwei Stoffen, die einen schnelleren Transport des Insulins ermöglichen. Zum einen Vitamin B3, Niacinamid, und L-Arginin, eine natürliche Aminosäure.

Meine Erfahrungen

Was kann ich nun sagen nach einer Woche Fiasp im Bauch? Das Mittelchen hält zu Teilen was es verspricht. Zunächst einmal: Ich vertrage es. Das ist schon mal was. Ein Mittel mehr womit ich dieses Diabetes bekämpfen kann. In der letzten Woche habe ich angefangen SEAs zu verkürzen und zu schauen, wie der Körper reagiert. Und tatsächlich: Die Abstände lassen sich verkürzen. Wo ich mit Novorapid zum Frühstück eher 30 Minuten warten musste, um Spitzen nach dem Essen zu vermeiden, bin ich jetzt bei Zeiträumen von 15 bis 20 Minuten – je nach Ausgangswert. Nicht wirklich die Zeit halbiert, aber schon mal ein Schritt nach vorne. Zum Mittag und Abendbrot liegen die Zeiten bei 5 bis 10 Minuten um wirklich gute Werte rauszukriegen. Vor allem Mittag in der Mensa oder auswärts Essen gehen fällt mir jetzt leichter, da das Insulin schneller anschlägt und ich nicht in Werte jenseits der 10er Marke (in mmol/l) rutscht.

Gleichzeitig sind es aber nicht mehr Hypoglykämien geworden als vorher. Mit Novorapid hatte ich immer wieder mal etwas zu lange gewartet, so dass ich erst eine Hypo hatte, aber anschließend dann doch einige Kohlenhydrate anschlugen, ich war im Spagat zwischen Hypohelfer zu mir nehmen und einfach Abwarten.

Eine weitere Verbesserung sehe ich im neuen Flextouch der Pens. Ich nutze lieber die Einmalstifte, weil es mir leichter fällt sie dann weg zu schmeißen. Bei den Klicks war ich mir nie sicher, ob ich auch die letzte Einheit mir reingedrückt habe. Mit dem Flextouch ist mit ein Mal leicht drücken schnell und leicht erledigt.

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich den Geruch von Insulin immer noch nicht leiden mag? Ich habe das Gefühl, dass es mit Fiasp noch krasser geworden ist. Fiasp riecht für mich noch ein Stückchen derber. Das merke ich vor allem an den Shirts. Das ist mir so mit Novorapid nie aufgefallen. Ebenfalls empfinde die neue Farbe des Stifts als etwas negativ. Neongelb reiht sich in das neonorangene Novorapid und das neongrüne Levemir. Nur dass die Farbe noch mehr auffällt. Ich habe zwar kein Problem in der Öffentlichkeit mir etwas Lebenssaft zu verabreichen, aber ich möchte nur ungern mir jedes Mal eine Warnweste dazu anziehen.

Fazit

Ist Fiasp die versprochene Ultrawaffe gegen postprandiale Werte? Für mich nur halb. Zwar konnte ich die SEA verkürzen, aber sie sind nicht wirklich die versprochenen Zeiten. Aber 15 Minuten warten gegenüber 30 Minuten ist ein Fortschritt und erleichtert vor allem mein Frühstück. Von der Bedienung ist noch ein Stückchen besser und einfacher. Flextouch schießt förmlich die wenigen Tröpfchen Insulin in meinen Körper. Als störend empfinde ich die grelle Farbe des Einmalstifts und den scheinbar anderen Geruch von Fiasp. Ich bin gespannt auf weitere Eindrücke mit dem neuen Insulin. Vor allem ist der Einsatz mit der Pumpe sicherlich spannend, wo ich leider noch nicht mitreden kann.

2 Gedanken zu „Die erste Woche mit Fiasp von NovoNordisk

  1. Hallo Ilja,
    ich las, dass Du erst seit 2016 erkannten Dia Typ1 hast. Das ist ja noch nicht sehr lange her. Mit Novorapid bist Du erstmal sicherlich gut eingestellt worden. Was Levemir betrifft, kann ich nicht mitreden, da ich (Typ 1 seit 2004) auf Lantus eingestellt wurde. Ich verwende auch Novorapid. Eine Frage: Ich habe Deine Begründung zu Deiner Benutzung der Einmal-Pens nicht verstanden. Ich nehme seit der Zeit nach dem KH herkömmliche Pens und habe auch keine Angst, dass da was „danebengeht.“ Was ist denn da bei den Einmal-Pens besser? Das Wegwerfen? Bereitet das Dir eine Genugtuung oder habe ich das falsch verstanden? Nun zur Sache: Ich war vor Novorapid noch auf Actrapid eingestellt, dort musste man wirklich einen SE- Abstand einhalten. Bei Novorapid achte ich nicht mehr drauf, denn es hängt auch sehr von der Mahlzeit ab, wie schnell der BZ dann ansteigt. Da fällt mir gerade ein, dass Du sicherlich aufpassen musst, denn Du könntest noch in die Honeymoon-Phase kommen, falls sie nicht schon abgelaufen ist. Ein Tipp: Nimm es genau, nimm es aber nicht zu genau mit Deinen Werten. Ausschläge nach oben oder unten werden sich niemals verhindern lassen. Wichtig ist nur, dass Du nicht über mehrere Stunden zu weit oben oder unten bist. Du hast auch noch ein Leben zu leben. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute und schreibe mich gerne an, falls Du magst.

    1. Hallo Mark,
      entschuldige die späte Antwort. Ich hatte leider anderweitig etwas viel zu tun.
      Du hast tatsächlich recht, ich bin gerade mittendrin in der Honeymoon-Phase. So brauche ich tagsüber kein langwirkendes Insulin, was im Moment den Alltag um einiges erleichtert. Vielen Dank auch für deinen Tipp. Den versuche ich in den letzten Monate zu beherzigen, was von mal zu mal besser klappt.
      Bei den Pens habe ich mich wohl etwas wirr ausgedrückt. Mir geht es hier explizit um den FlexTouch, der bei den Einmal-Pens mit Novorapid nicht ist. Bei Novorapid „sieht“ man förmlich wieviel Insulin man sich spritzt, weil sich der Druckknopf rausdreht. Bei Fiasp ist das nicht. Ein psychologisches Problem. 😀 Ich sehe aber insgesamt keinen Vorteil in der Therapie einen Mehrweg-Pen zu benutzen, außer die Umwelt natürlich.

      Liebe Grüße

      Ilja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.