Allgemein 8. Juni 2017 Ilja No comments

Der erste Männerausflug mit Diabetes

Irgendwann sollte es soweit sein: Der erste Männerausflug. Aber diesmal mit einem besonderen Gast: Die Diabetes. Dazu haben wir uns ein ganz besondere Stadt ausgesucht, die das Management nicht ganz einfach gemacht hat. Wir waren in Prag. Dort wo du das Bier hinterher geschmissen kriegst und man Kohlenhydrate fast schon einatmen kann. Eigentlich nur zu einem Rammstein-Konzert, aber wir haben einige Tage mehr in der Stadt verbracht. Ein kleiner Rückblick.

Sensorverschleiß und noch nicht mal in Prag

Eigentlich hatte ich es perfekt „geplant“. Am Freitag lief mein Libre-Sensor ab, am Samstag ging es los gen Prag. Also ohne Pflasterfixierung frisch am Samstagmorgen mich gestanzt und ab geht die Reise. Der Mensch ist leider ein Gewohnheitstier. Im Kopf war der Sensor immer noch am linken Arm, praktisch aber schon rechts. Kurz nach der Grenze holten wir uns eine Vignette und machten so eine kurze Pause. Nur fünf Stunden nach dem Sensorsetzen musste ich ihm hier auch schon „Lebewohl“ sagen. Beim Einsteigen ins Auto hatte ich nicht wirklich auf dem Radar, dass der Sensor rechts war und so küssten sich Libre und Türrahmen. Hier merkte ich, dass gute Organisation alles ist im Diabetesmanagement. Glücklicherweise hatte ich einen zweiten Sensor eingepackt. Zur Sicherheit hatte ich von allem ein bisschen zu viel, als zu wenig und bin über die drei Nächte gut hingekommen. Einzig eine Kühltasche sollte ich mir demnächst anschaffen. Bei durchgehend 30 Grad Celsius hatte ich ein bisschen Angst, dass das Insulin sich auch noch verabschiedet.

Essen: Wo die wilden Kohlenhydrate wohnen

Tschechien, das Land der Kartoffeln, Knödel und Klöße. Tschechien ist bekannt für seine kohlenhydratreiche und fettige Nahrung. Vor der Anreise hatte ich so einige Befürchtungen, ob der Zucker sich benehmen wird. Aber diesmal wollte ich einen Sprung ins kalte Wasser wagen und einfach auf mein Bauchgefühl vertrauen. Tatsächlich hatte es ziemlich gut geklappt. Zum einen lag es an der vielen Bewegung an den Tagen. Ohne die 15 bis 20 Tausend Schritte am Tag wären die Ergebnisse sicherlich höher gewesen. Ich war selten über 10 mmol/l und wenn, dann nur kurz. Zum anderen war das Essen nicht unweit vom Essen aus der Heimat. Stellenweise konnte man die Beilage weg lassen oder es wurde einfach Brot dazu serviert. Einzig richtig große Herausforderung war koreanisches Essen. Ich hatte mir Bibimbap bestellt. Ein heißer Topf aus verschiedenem Gemüse, Fleisch und verstecktem Reis. Auf gut Glück habe ich mir einige Einheiten gespritzt und bin bei einem humanen Wert rausgekommen. Die nächsten kulinarischen Herausforderungen können kommen.

Alkohol: Bier ist mein Wasser

In Prag kostet in der Altstadt ein Pils 0,5 Liter rund 50 Kronen, das sind gerade mal zwei Euro. In dezentraler Lage zahlt man gerade etwas mehr ein Euro. Kein Wunder also, dass die Tschechen Weltmeister im Bierkonsum sind. Dementsprechend war der Ausflug mit Bier im Park, Bier im Restaurant, Bier im Biergarten und einfach mal so unterwegs gestaltet. Der Kohlenhydratanteil im Bier ist noch überschaubar, so dass bei all der Bewegung und dem leicht verschätzten Essen die Werte in einem normalen Bereich blieben. Einzig die Abend haben sich als etwas schwierig gestaltet. Da fließen ein paar Bier hintereinander und mit Bewegung ist auch nicht viel, so dass die Werte gerne mal in Bereich zwischen 10 und 12 mmol/l stiegen. Dementsprechend gingen sie auch wieder vor dem Schlafengehen runter. Als kleinen Ausgleich habe ich mir für die Abende, vor allem wenn wir nur irgendwo saßen, einen kleinen Tüte Chips geholt und zum Trinken ein bisschen genascht damit die Werte nicht vollständig in den Keller gingen.

Fazit

Prag war durchaus kein einfaches diabetisches Pflaster. Vor der Abreise habe ich mir so einige Gedanken gemacht. Alles Notwendige einzupacken, war nicht mein Problem. Eher die neue Herausforderung sich in einer ungewohnten Umgebung mit Diabetes zurecht zu finden, also zum Beispiel das Essen und die Wirkung von Alkohol richtig einzuschätzen. An dem ein oder anderen Punk kann ich sicherlich noch feilen, aber insgesamt lief es in allen Belangen ziemlich gut. Meine Diabetologin hätten die Werte sicherlich nicht gefreut, dafür hat sich mein Kopf gefreut, auch einfach mal abzuschalten und zu genießen.

Seit der Diagnose habe ich bei solchen neuen „Herausforderungen“ auch ein Gefühl des „Laufen lernen“. Sachen, die ich früher mit einer Selbstverständlichkeit gemacht habe, kommen mir ein bisschen seltsam und neu vor. Damit verbunden ist auch die Ungewissheit ob man positiv oder negativ aus der Erfahrung rausgeht. Ich dachte erst, das wäre nur ein kurzfristiges Phänomen, wie kurz nach der Diagnose mein erster Bier zu trinken, aber diese Gefühl setzt sich auch ein Dreiviertel Jahr später noch fort.

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